Fotografieren: Analog vs. Digital (Dynamik / Auflösung)

Mich regt dieses aufgeregte Schnattern um die Vorteile von Analogfotografie in der letzten Zeit langsam wirklich auf. Nicht die Tatsache, dass viele gerade auf dem Analog-Hype sind. Von mir aus. Von mir aus dürfen sie auch erregt schwärmen. Ich freue mich sogar, wenn ich die Ergebnisse sehen darf. Aber ich mag es nicht, wenn in diesem Zuge Falschinformationen veröffentlicht werden.

Drei Punkte dazu – Dynamikumfang Film vs. digital, Auflösung Film vs. digital, Entschleunigung.

Dynamikumfang

Es wird oft behauptet der Dynamikumfang von Film ist höher. Stimmt nicht. Natürlich hängt es von vielem ab, aber hier ein paar Werte:

Kamera/Film Blendenumfang
Nikon D4 13.1
Nikon D3100 11,3 (Einsteiger Spiegelreflex von 2010)
Nikon D200 11,5 (Semiprofi DSLR von 2005)
Farbnegativfilm ca. 9,5
Diafilm 8
Spezial-Schwarzweißfilm 12
Hochglanz-Papierfoto 6

Ich stieß auf das Problem belastbare Zahlen für die Filme zu finden. Gefunden habe ich “nur” etwas im Foto-Nachschlagewerk von Dipl. Ing. Helmers. Ich weiss, dass ich eine technische Messung zu verschiedenen Film-Typen einmal gelesen habe, leider finde ich sie nicht mehr. Wenn mir jemand dabei helfen möchte, ich freue mich über Hinweise.

Auflösung

Auch hier gibt es eigentlich nicht viel zu sagen. Vor allem wenn man sich Monster wie die Nikon D800 anschaut – um im Kleinbildbereich zu bleiben. Aktuelle Spiegelreflexkameras kommen auf bis zu 36 Megapixel, normal sind um die 20 MP. Umgerechnet (von Linien/mm) haben normale Kleinbildfilme mit normaler Ausrüstung etwa bis 10 MP und bei optimalem Film und Ausrüstung maximal 20 MP. Auch hier ist es allerdings schwierig belastbare Zahlen zu finden – Einstiege wären jedoch dieser Artikel oder wieder in Hr. Helmers Fotolexikon.

Entschleunigung

Hat zwar nicht so viel mit falschen Fakten zu tun, wird aber dennoch regelmäßig genannt: analoge Fotografie entschleunigt den Prozess des Fotografierens… Ich kann und will nicht verstehen, wieso ich dafür eine analoge Kamera benötige. Natürlich zwingen die Kosten einen Normalverdiener dazu, sparsam mit Film umzugehen. Aber das als Vorteil anzupreisen? Es kostet immer noch Geld. Ich setze bei einem ernsthaft Fotografieinteressiertem genügend Willen (und Disziplin) voraus, dass er sich auch mit einer digitalen Kamera zurückhalten kann und sich genau den Bildaufbau, Belichtung usw. überlegt bevor er auf den Auslöser drückt. Kostet Überwindung und Disziplin, funktioniert aber – hab ich gehört. Bringt zudem den Vorteil das ich vor Ort anhand des Histogramms das Resultat noch überprüfen kann. Wichtig ist nur das bewusste herangehen und das man versucht mit einem Bild auszukommen anstatt hundert zu schießen.

Fazit

Schlussendlich bleibt zu sagen: es ist schön, wenn jemand mittlerweile analoge “Gehversuche” macht. Vor allem im Bereich Mittel- oder Großformatfotografie. Dort ist analog tatsächlich noch günstiger. Für Kleinbild ist es jedoch ein Retro-Hype der einige leider zur Äußerung falscher Informationen verleitet. Fotografisch weiterbringen kann ein solcher Abstecher, gleiches kann man jedoch auch erreichen, indem man z.B. seine eigene Ausrüstung beschränkt.

Macht was euch Spaß macht, aber versucht bitte bei den Argumenten sachlich zu bleiben 😉

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