Datenkraken: Auto – oder: der gläserne Autofahrer

Im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bin ich über einen interessanten Artikel gestolpert, der etwas thematisiert, was hierzulande noch auf sehr kleiner Flamme gekocht wird: Daten sammelnde Gerätschaften in Autos machen den Autofahrer zu einem gläsernen Autofahrer. Wenn wir in einem aktuellen Auto unterwegs sind, werden von unzähligen Systemen (70 “Rechner” waren schon vor sechs Jahren keine Seltenheit mehr) Daten gesammelt über diverse Parameter.

Das diese Daten genutzt werden, lässt sich am Beispiel Auto-Versicherungen in den USA oder England zeigen. Dort kann (noch nicht muss) bezahlt werden nach Fahrstil. Das manager magazin erwartete im vergangenen Oktober solche Versicherungen auch ab diesem Jahr in Deutschland. Die Sparkassen-Direktversicherung hat sich das zu Herzen genommen und bietet seit Jahresbeginn nun einen solchen Telemetrie-Tarif an, wie u.a. der Focus berichteten.

Die Nutzung dieser anfallenden Daten sollte dringend durch den Gesetzgeber geregelt werden – insbesondere in so paranoiden NSA-Zeiten. In wie weit das Bundesdatenschutzgesetz die Nutzung der Daten schon beschränkt (wem “gehören” die anfallenden Daten? – siehe dazu auch weiter unten) ist mir noch nicht ganz klar, ich vermute jedoch, die Fahrzeugdaten fallen nicht darunter, da diese nicht exakt einer Person zugeordnet werden können (erst in Kombination mit Mobilfunk-Daten, etc.). Selten fordere ich weitere Gesetze, aber in diesem Fall würde ich doch eine explizite Aufnahme dieser Daten in ein bestehendes Gesetz oder im Zweifel auch in ein extra Gesetz befürworten.

Ausgangspunkt der Diskussion auf dem Verkehrsgerichtstag war wohl eCall – ab Oktober 2015 sollen alle neu zugelassenen Autos fähig sein, nach einem (schweren) Unfall, diesen automatisiert an die Notrufnummer 112 zu melden.

In dem Artikel der FAZ wird Jürgen Bönninger, der Geschäftsführer der FSD Fahrzeugsystemdaten GmbH zitiert:

Es müsse „verhindert werden, dass digitale Abdrücke aller zukünftigen Autos und damit der Fahrdaten sowie der Fahrzeugzustandsdaten als Bewegungs- und Handlungsprofile hinterlassen oder abgerufen werden“.

In der Freien Presse wird auch der AvD (Automobilclub von Deutschland) zitiert mit:

“Autofahrer müssen wissen, welche Daten wozu gesammelt werden – und Herr über die Weitergabe bleiben.”

Zur Problematik wem die Daten gehören schreibt die Freie Presse:

Der Präsident des Verkehrsgerichtstags, Kay Nehm, sieht hier ein grundsätzliches Problem: Ein Datenschutzrecht im Auto muss erst noch entwickelt werden. Es sei eben nicht klar, wem die Daten im Fahrzeug gehörten – dem Fahrer, dem Autohersteller oder gar einem dritten Dienstleister.

Hier wird Jürgen Bönninger auch noch ausführlicher zitiert:

“Fahrzeughersteller und weitere Nutzer von Fahrzeugdaten sind zu verpflichten, offen und transparent zu informieren, welche Daten generiert und verarbeitet werden”, sagt der Dresdner Experte. Zudem müsse der Gesetzgeber auch im Auto Anti-Spionage-Regeln durchsetzen – durch ein Autofahrerdatenschutzgesetz und ein Autodatensicherheitsgesetz. Vor acht Jahren habe man in Goslar bereits Empfehlungen für gesetzliche Regelungen unterbreitet. “Deren konkrete Erarbeitung”, so kritisiert Bönninger, “steht jedoch bis heute aus.”

Die Problematik wurde also sehr wohl schon teilweise vor vielen Jahren (von Experten) erkannt. Passiert ist bisher nichts, was meiner Einschätzung nach auch mit damit zusammenhängt, dass kaum darüber geschrieben wird.

Ich konnte ansonsten nur noch zwei weitere Artikel zu diesem Punkt des (52.) Verkehrsgerichtstages in Goslar finden:

Also: traget hinfort das Wort in die Welt 😉

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