[Festivalbericht] Summer Breeze 2014 – mehr breeze denn summer

Mehr breeze denn summer

Wir berichten hier ja durchaus öfter über die deutschen Sommer-Festivals – heute unser erster ausführlicher Bericht über das Summer Breeze Open Air in Dinkelsbühl (über das wir auch schon häufiger berichtet haben). Das (17.) SBOA fand dieses Jahr vom 13.-16. August auf 115 Hektar statt.

Besucher

Für das diesjährige Summer Breeze war das Kartenkontingent mit den originalen “Hardtickets” des Veranstalters Silverdust ab dem 31. Juli ausverkauft. Tickets waren allerdings noch bei anderen Ticket-Verkäufern erhältlich, ebenso wie Tagestickets.
Laut Polizeibericht waren etwa 35000 Metalheads auf Pilgerreise in Dinkelsbühl. Dabei kam es zu nur 20 gemeldeten Diebstählen und nur sieben Körperveletzungen. Auch die Verletzungsquote war mit 86 sehr gering, wobei es auch einen (wohl natürlichen) Todesfall gab. Vier Delikte wegen “Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion” wurden übrigens auch aufgenommen.

Bands

Auf insgesamt vier Bühnen waren in vier Tagen 111 Bands zu sehen. Darunter waren richtige Knüller wie Maschine Head, Arch Enemy, Hypocrisy, Heaven Shall Burn, Watain, Children of Bodom, Behemoth, Benediction, Carcass, In Extremo, J.B.O., Testament usw. Die Bands haben wie immer alles gegeben. So hat etwa J.B.O. knapp 7000 Farbbeutel bei “Ein Fest” verteilt die dann die komplette Landschaft vor der Bühne in die J.B.O. Farbe (pink) tauchte. J.B.O. 'Opfer' beim Summer Breeze 2014
Alissa White-Gluz (die ‘neue’ bei Arch Enemy) bereicherte Testament bei ‘Into the Pit’. Anneke van Giersbergen hat wie auch schon im Vorfeld angekündigt einen Gastauftritt bei einem umwerfenden Devin Townsend Project Konzert gegeben. Devin Townsend Project mit Anneke van Giersbergen beim Summer Breeze 2014
Auch sonst wurde mit Gastauftritten nicht gegeizt – wie man im Festival Rückblick gut sehen kann.
Ein fettes Danke für dieses Hammer-Lineup an die Veranstalter und alle teilnehmenden Bands!

Wetter

Für das Wetter kann man den Veranstaltern des Breeze beim besten Willen keinen Vorwurf machen, ist die Temperatur statistisch doch im August am höchsten, bei so wenig Niederschlag wie nur möglich. Dieses Jahr war dann doch eher etwas feucht und kühl.

Organisation

Zum Thema Festival-Organisation gibt es auch einiges zu berichten. Beginnen wir mit der Anfahrt. Der Verkehr wurde auf Straßen geleitet, die ausschließlich für Festivalbesucher (und Anwohner) reserviert waren. Den bei Großveranstaltungen üblichen Anreisestau konnte man so zwar nicht vermeiden, aber es war durchaus erträglich 😉 Für uns ein bisschen ‘gewöhnungsbedürftig’ waren die Eingangskontrollen auf dem Gelände. Die Autos werden nach verbotenen Gegenständen (wie z.B. Glas) durchsucht.
Kontrollen beim Summer Breeze 2014
Aber wider erwarten ging das ziemlich zügig und die eingesetzten Securities waren wirklich nett (das kenne ich leider teilweise anders). Ein großer Vorteil ergibt sich aus den Kontrollen. In der Wartezeit bekommt man direkt an den Schleusen sein Festival-Bändchen. Nun ja, gefallen tut mir die Kontrolle nicht, auf anderen Festivals passiert auch nicht signifikant mehr – ohne Kontrolle. Aber wenn das der Weg zum Metal ist, dann lässt man auch das über sich ergehen. Wo wir bei einem anderen Punkt angekommen sind. Auf dem Breeze fühlt man sich zwar in erster Linie wie auf einem anderen Metal-Festival, aber es gibt durchaus Unterschiede, die vlt. mit dem idyllischen Mittelfranken zusammenhängen – wir können sonst leider nur auf Festivals außerhalb des Freistaates zurückblicken. Aber die Hoheitliche Staatsvertretung in Form der Polizeitruppen sind anderswo durchaus etwas freundlicher und nicht so grimmig-dreinschauend. Auch ist es unser erstes Festival, bei dem der Schutz der Festivalbesucher so ernst genommen wird und Hundestreifen patrouillieren – aber Achtung: damit kein falsches Bild aufkommt muss dabei wirklich erwähnt werden, dass alle Securities mit denen wir uns unterhalten haben (ernsthaft) sehr freundlich und nett waren. Das ist leider (wie schon weiter oben geschrieben), keine Selbstverständlichkeit auf Festivals!
Hundestreife auf dem Summer Breeze 2014
Bleibt trotzdem etwas von dem Gefühl des Sträflings über…
Wo wir bei den Securities sind, dürfen die Summer Breeze Grabenschlampen nicht unerwähnt bleiben. Sie leisten wirklich einen super Job und bleiben dabei nett und haben obendrein einen geilen Namen inkl. Shirts 😉
Summer Breeze Grabenschlampen
Sind wir auch schon beim nächsten Punkt – Shirts und Design allgemein. Ein (subjektives aber) dickes Lob an die Veranstalter. Die Designs die sie sich jedes Jahr ausdenken sind wirklich sehr chic. Es gab dieses Jahr auch mehrere Editionen mit einer jeweiligen Limitierung auf 666 Stück. Sehr schöne Idee 🙂
Kommen wir zu den Bühnen und dessen Verteilung. Die Zeltbühne, oder T-Stage hat (wie bei allen uns bekannten Bühnen in Zelten) eine miserable Soundqualität. Die Camel-Stage ist ziemlich niedlich, dafür war sie ziemlich gut abgemischt und auch die nicht vorhandene Querbeschallung von Zelt und den anderen Bühnen war gut gelöst. Main und Pain Stage sind die Hauptbühnen des Summer Breeze und somit auch die größten. Dabei gibt es zwei ambivalente Punkte welche aus der Größe der Bühnen resultieren. Die Bühnen sind recht überschaubar. Das ist auf der einen Seite schön, da es weniger Besucher sind und man so automatisch auch näher an der Band ist. Allerdings sind die Positionen, an welchen der Sound gut ist, auch überschauber, was vermutlich eine Folge der nur direkt an der Bühne hängenden PA-Boxen ist. Das führt dazu, dass man nur in einem Bereich um die Mitte der Bühne einen guten Sound hat (generell ist ja der Sound am FoH-Turm immer am besten) und dieser ist dazu hin noch beschränkt, da die Bühnen auf einem Hügel platziert sind… Dazu kommt, dass der Sound auch recht leise ist und (zumindest dieses Jahr) merklich “vom Winde verweht” wird. Apropos Wind: dank diesem hat es dieses Jahr nicht nur Regen und einen Wolkenverhangenen Himmel gegeben. Was auch Segen und Fluch war. Denn die Main und Pain Stage stehen mit dem Rücken nach Westen. Das gibt zwar abends schöne Bilder, aber man kann von der einzigen LED-Leinwand (zwischen den beiden Hauptbühnen) und auch von der Bühne dank der einstrahlenden Sonne nichts mehr erkennen. Einfach umdrehen ist vermutlich auch nicht, da zumindest die aktuelle Geländeanordnung das nicht wirklich hergibt. Hat man sich aber richtig positioniert können die kleinen Stages aber voll ihren Charme ausspielen 🙂
August Burns Red auf der Summer Breeze Pain Stage, 2014
Schön in diesem Bild zu sehen waren an mehreren Stellen bei den Hauptbühnen auch kleine “Bierpause” Stände. Diese bestanden aus nicht wesentlich mehr, als einem Bierfass mit Zapfanlage und einer bedienenden Person. Um die Bier-Versorgung noch weiter zu komplettieren, kämpften sich auch die von anderen Veranstaltungen bekannten Bier-Lieferanten mit Rocket-Packs an den Bühnen durch die durstige Menge. Und wo wir bei Bier sind – das ausgeschenkte Bier schmeckte auch noch (selbstverständlich in Bayern) sehr gut. Die Brauerei Haller Löwenbräu sorgte für die köstliche Hopfen-Kaltschale. Für die Campgrounds wurde der Inhalt der Rocket-Packs auf Kaffee gewechselt und so bekam man heißen, schwarzen Kaffee unter seinen Pavillon geliefert. So lässt es sich leben 😉
Um bei den Getränken zu bleiben ist die Wasserversorgung zu erwähnen. Zu den typischen Wasserstellen mit den Stiften gibt es auch an einigen Stellen zusätzlich an die Begrenzungszäune montierte Waschbecken. An diesen kann man mit einem ordentlichen Hahn, Kanister füllen, etc. und spart sich somit die Todesbakterien (ja, die Kassierer haben dieses Jahr auch gespielt) der Finger die andere Festivalbesucher an den anderen Wasserstellen am Stift zurückgelassen haben 😉
Bei der Abreise mussten wir dann unseren Navigationsgeräten ordentlich Paroli bieten, wollten sie uns doch vehement davon überzeugen, gesperrte Wege zu verwenden. Eine Ausschilderung der Wege zurück zur Autobahn fehlte leider auch. Somit hatten wir die Wahl, unserer Nase zu folgen, oder erst Kartenstudium zu betreiben. Da letzteres kein Heavy Metal ist, wandten wir ersteres an und landeten somit auch nach einiger Zeit wieder auf der Autobahn.
Ein weiterer Punkt, der uns ziemlich sauer aufgestossen ist, waren die (Haupt-)Einweiser und daraus resultierend, die Zeltdichte auf Campground M. Verglichen mit en anderen Campgrounds und in Anbetracht, dass ein komplettes Feld noch frei war, ist es ein Witz. Wir (und die Wiesenbewohner um uns herum) mussten die Zelt-Abspannungen jeweils unter dem Nachbarzelt anbringen. Bekamen die Einweiser Provision, wenn sie mehr Personen auf einem Quadratmeter untergebracht bekommen haben?
Kommen wir noch zu einem angenehmeren Teil, es gab – wie mittlerweile auf Festivals üblich – auch einen Metal Market, auf welchem zahlreiche Händler und Labels ihre Bazar-Zelte aufgeschlagen haben. Das eine oder andere CD- oder Shirt-Schnäppchen ließ sich so schießen. Wenn man auch manchmal den offiziellen Merch-Charakter kritisch hinterfragen sollte…
Ein Teil des Metal Markets auf dem Summer Breeze 2014
Ein weiterer Punkt in dieser Rubrik sind noch die Duschcontainer. Sie wurden (wie auch bei anderen Festivals miitlerweile üblich) von Sani. Leider nicht die “Duschanlage“, sondern der “Dusch-Explorer“. Der Nachteil an diesem System sind die einzelnen Duschkabinen. In diesen sind keine Haken vorhanden (würden auch dank dem Spritzwasser nichts bringen), sondern nur eine handelsübliche “Sichtlagerboxen”. Dort schafft man es nicht, seine Habseligkeiten mitzunehmen. Vor allem nicht, wenn das Wetter dickere Kleidung vorschreibt… Um damit klarzukommen, kann ich nur die Full Metal Bags des Wacken empfehlen und zusätzlich einen Haken mitbringen 😉
Die Krux am schönen, Licht-unverschmutzten Frankenland ist leider die Dunkelheit (entgegen dem Polizeibericht). Das Breeze versuchte mit Hilfe von Bredenoord und deren Lichtmasten “Clear PLM” Licht ins Dunkel zu bringen. Die (wenigen) LED-Lichtmasten liefern viel zu wenig Licht und ohne Taschenlampe wurde es recht schwer, seinen Weg durch die vollgestellten Zeltplätze zu finden. Eine Leuchtballon Lösung oder etwas wie die bei anderen Festivals verwendeten Lichtmasten würden hier vielleicht Abhilfe schaffen und die Metalheads nicht so im Dunkeln stehen lassen.

Getränke, Verpflegung, Preise

Auf dem Gelände verteilt existierten drei Supermärkte mit normalen Fesitvalpreisen und einem Sortiment mit allem was das Festivalbesucher-Herz begehrt. Conaintersiedlungen mit Duschen (für 2,50 EUR pro Duschgang) und Wassertoiletten (pro Gang 1,- EUR) waren ebenfalls an drei gut verteilten Stellen vorhanden. Essensbuden und Frühstück waren auch immer bei diesen Subzentren angesiedelt. Der Kaffee für drei Euro war ebenfalls normaler Festivalpreis. Mit 3,50 EUR für ein 0,4 Liter Becher Bier war auch der Preis in Ordnung. Und im Bereich des Infields konnte man sich auch zu normalen Festivalpreisen (etwa 4-5 EUR) auch gut und lecker verpflegen (Tipp: Handbrotzeit).

Bilder

Wer sich ein Bild vom Festival machen möchte, kann auf Lichtnutzer in einige Fotos vom diesjährigen Summer Breeze Open Air reinschnuppern.

Fazit

Abschließend muss man sagen, das Summer Breeze 2014 war zwar vom Wetter gezeichnet, aber ein sehr schönes Festival mit einem granaten Lineup. Die Stimmung war ganz und gar nicht kühl wie das Wetter, das Bier konnte man auch als solches bezeichnen und es bleibt der Eindruck eines noch relativ kleinen, auf das Wichtige reduzierten, Metal-Festivals. Danke Silverdust für ein alles in allem gelunges Festival.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *