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Fotostudios können dicht machen – Amazon patentiert “Studio Arrangement”(s)

Wie der Blog DIY Photography festgestellt hat, wurde Amazon ein Patent bewilligt, welches mehrere typische Studio-settings vieler Fotografen beschreibt. Das Patent wurde schon 2011 eingereicht und am 18. März 2014 nun angenommen.

Immer wieder schön, was vom US Patentamt so alles angenommen und bewilligt wird an Patenten…

Hier der Abstract des Patentes

Disclosed are various embodiments of a studio arrangement and a method of capturing images and/or video. One embodiment of the disclosure includes a front light source aimed at a background, an image capture position located between the background and the front light source, an elevated platform positioned between the image capture position and the background, and at least one rear light source positioned between the elevated platform and the background. A subject can be photographed and/or filmed on the elevated platform to achieve a desired effect of a substantially seamless background where a rear edge of the elevated platform is imperceptible to an image capture device positioned at the image capture position.

Und noch zwei Bilder daraus
amazon-studioArrangement2
amazon-studioArrangement1

Schlechte Bezahlung im Gastronomiegewerbe kostet den Staat Milliarden

Wie die Zeit berichtet, musste der Staat allein 2011 rund 1,5 Milliarden EUR Hartz IV Aufstockmittel bereitstellen für Kellner, Baarkeeper und Köche im Gastronomiegewerbe. Sie berufen sich dabei auf eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung. Hieraus ein Zitat

Schlechte Bezahlung ist im Gastgewerbe sehr weit verbreitet: Von den Beschäftigten in der Gastronomie verdienten 2010 mehr als drei Viertel ein Gehalt unter der Niedriglohnschwelle von 9,15 Euro pro Stunde. Im Bereich Beherbergung waren es knapp 65, im Catering 62 Prozent.

Ein möglicher Grund dafür sehe ich darin, dass Kellnern schon seit jeher ein beliebter Job während Schule und Studium ist – ich würde aus Bauchgefühl sagen, sogar der am meisten ausgeübte Langzeit-Nebenjob bei Studenten und Schülern. Das verschlechtert automatisch die Bezahlung im Gewerbe. Simples Angebot und Nachfrage. Das Berufsfelder die ohne Ausbildung ausübbar sind darunter am stärksten leiden ist selbstverständlich.

Abmahnung wegen geposteten Tattoo-Fotos?

Auch wenn ich Urheberrechte per se nicht schlecht finde, bei so einer Sache hört es für mich mit dem Verständnis auf. Warten wir mal ab, ob es entsprechende Fälle geben wird vor Gericht…

Aber lest selbst im Lawblog:

Das Tattoo gehört nämlich keineswegs ausschließlich seinem Träger, erläutert der Mainzer Anwalt Karsten Gulden auf seiner Seite “infodocc“. Vielmehr handele es sich, absoluter 08/15-Körperschmuck ausgenommen, um ein “Werk der bildenden Kunst”.

Tipp: Auch den verlinkten Artikel in infodocc lesen (mit Kommentaren):

Schwierig wird es allerdings, wenn nur das konkrete Motiv abgelichtet wird und die Person und deren Persönlichkeitsrechte vollständig in den Hintergrund treten. Dann dürften die Urheberrechte des Tätowierers wieder überwiegen, sodass eine Urheberrechtsverletzung angenommen werden kann, wenn keine Einwilligung durch den Tätowierer vorliegt.

Zensur in Ungarn

Die Gesetze in Ungarn werden auch immer bedrohlicher. Bedenklich was “direkt” vor unserer Haustüre passiert. Schön, dass man die Privatsphäre der einzelnen schützen möchte, aber das ist definitiv der falsche Weg.

Wie heise Foto letzte Woche berichtet hat:

Privatpersonen dürfen in Ungarn nicht mehr ohne deren Einwilligung fotografiert werden. Dies gilt auch für Fotos, die nicht veröffentlicht werden.

Wie soll man da dann noch Bauwerke oder Architektur oder öffentliches Geschehen fotografieren? Budapest ist ja immerhin Weltkulturerbe. Von Street Fotografie will ich gar nicht anfangen. Aber bei wie vielen Bildern ist eine Person “Beiwerk” – sprich zufällig abgebildet und nicht Bildmittelpunkt. Werden jetzt alle Touristen per se unter Strafandrohung gestellt?

Zum Hintergrund:
Im Radio wird ein Aufruf zum Besuch des Staatstheaters zensiert, und zum Mediengesetz bereits vor vier Jahren beim Metronaut und der verwiesene Artikel in der Zeit dazu.

Critical Engineering mit PRISM auf der Transmediale 2014

Ich habe ja bereits Anfang Januar über Julian und Danja (sowie auch Gordan) und das Projekt Critical Engineering berichtet. Auf der Transmediale 2014 waren die beiden nun auch wieder mit ihrer Installation “PRISM: The Beacon Frame” – und wurden direkt (wegen einer fehlenden Betriebsgenehmigung für ihren IMSI Catcher) dazu gebracht, die Installation wieder abzuschalten. Immerhin hat es die Sache auch in den Spiegel geschafft. Julian und Danja haben übrigens auf PasteBin sich geäußert zu dem Vorfall:

It was our intention to provide an opportunity for public to critically engage precisely the same methods of cellular communications interception used by certain governments against their own people and people in sovereign states. It was not, in any way, our intention to harm anyone and nor did we.

Kinderporno-Keule für Vorratsdatenspeicherung

Debatte im Deutschen Bundestag zur Vorratsdatenspeicherung:

[Es gibt in Deutschland] “kein Grundrecht fürs Ansehen von Kinderpornographie”

Laut heise online hat dies der CDU-Abgeordnete Patrick Sensburg während einer Debatte um die Vorratsdatenspeicherung gesagt.

Das ist doch wieder typisch – aber (gefühlt) schon lange nicht mehr gehört: alle die gegen Vorratsdatenspeicherung sind, konsumieren Kinderpornos oder helfen damit Personen, die diese Straftat begehen. Oder auch: ohne VDS hätte wir diesen Mord nicht aufklären köennen. Auch hierzu gab es schon sehr häufig gegenteilige Bemerkungen und ich meine auch zu dem angesprochenen Fall aus Augsburg etwas gelesen zu haben. Am Fall Beteiligte haben meine ich erwähnt, dass sie diesen auch ohne das Instrument der Speicherung aller Kommunikationsdaten erfolgreich hätten lösen können.

Bleibt: mir fehlt immer noch ein einziger “Beweis” dafür, dass VDS die Aufgabe der Anonymität aller es Wert ist – indem sie ein nicht durch andere Ermittlungswerkzeuge ersetzbares Mittel ist. Noch mehr Zweifel hege ich an der Existenz eines Beweises, dass VDS etwas im Kampf gegen Kinderpornos bringt. Wenn wir damit Vorratsdatenspeicherung einführen, sind wir kein Deut besser als Erdogan, der ja auch erst Internetzensur eingeführt hat um die türkische Jugend vor Sittenverfall zu schützen.

Die Welt wird zum Flughafen oder wie Überwachung zur sozialen Kontrolle wird

Auch von Sascha Lobo kann man manchmal gute Lesetipps bekommen. So hat er in seiner Kolumne Die Mensch-Maschine bei Spiegel online am Dienstag in seinem Post “Die Welt wird zum Flughafen” einen guten Artikel verlinkt. Was Sascha da schreibt, ist halt Sascha… Aber folgendes Zitat finde ich gut:

Am Flughafen befragt, würde ja im ersten Moment auch niemand zugeben, in der Freiheit eingeschränkt zu sein. Aber für immer auf dem Flughafen wohnen?

Seinen Artikel will ich jedoch nicht empfehlen, sondern vielmehr den von ihm empfohlenen Artikel “The World Is Now an Airport – surveillance and social control“. Auch wenn der Artikel US geprägt ist und bei uns die Verhältnisse an Flughäfen noch keine “TSA-Ausmaße” angenommen haben, so kann ich dem Grundtenor nur zustimmen. Ich sehe genau diese Problematik als einen der Hauptpunkte gegen zu umfassende Überwachung:

This is how censorship works. Censorship isn’t burning books or arresting journalists or blocking access to certain web pages. These are just symptoms and tools of censorship. Censorship is a system of coercive control where people police themselves.

Zu dem folgenden Abschnitt habe ich dann auch noch eine Leseempfehlung, wie der Begriff Terrorismus ausgelegt werden kann und im Tempora Staat(Großbritannien) schon wird.

After all, think how efficiently the police could fight terrorism- a term that seems to be increasingly broadly applied these days- or how well they could cut down on drug and human trafficking, if law enforcement knew everything?

Dazu kann ich auch im Spiegel den bereits vor fast fünf Jahren erschienenen Artikel “Großbritannien: Kommunen wenden Terrorgesetze gegen spielende Kinder an” empfehlen.

Und noch zwei gute Zitate aus dem doch recht langen Text (für die lesefaulen):

You wouldn’t pursue work that might be perceived as controversial or get you investigated. You wouldn’t make jokes using certain keywords that might be taken the wrong way; you’d be afraid that a SWAT team might mistakenly be dispatched to your door.

I would argue that we do have a choice, that progress is not linear or determined, but rather the product of collective choices. When we understand technology, we’re empowered to choose technologies that reflect our values, and reject those that do not.
[…]
I’m not naive enough to think that retreating to specialized encryption tools that few people know how to use will put a dent in the dragnet surveillance state, but we shouldn’t let the immensity of this problem make us feel powerless or afraid. You and I can support free software and service providers that respect privacy and support encryption. They need talented hackers and money to make tools that most people can use.

Und auch hier kann ich mich auch wieder dahinterstellen:

Life without hope and struggle is not worth living. Code, leak, and hack against the dying of the light.

Auswirkungen des Endes der Netzneutralität jetzt beobachten

In Kenia oder auf den Philippinen kann man jetzt schon sehen, wohin es führt, wenn die Netzneutralität nicht gegeben ist. Google und Facebook bezahlen für ihre Webseiten, Start-Ups haben verloren – die Verbraucher am Ende werden es auch. Netzneutralität in Schwellenländern: Internet zwischen Google und Facebook” bei heise online.

Update Danke für den Hinweis: auch auf Technology Review gibt es einen Artikel dazu – Netzneutralität – ein westlicher Luxus?

Telekom tritt nach, oder: Netzneutralität II

Und es war zu erwarten, was im Mobilbereich leider schon länger in Mode ist, schwappt auf Festanschlüsse über. Die Provider wollen mehr verdienen und so bietet die Telekom auch nur noch Volumentarife bei Festverkabelung an. Überschreitet man eine gewisse Menge Traffic, so wird man gedrosselt oder soll gefälligst mehr bezahlen. Die Tagesschau berichtet immerhin auch darüber, nicht nur IT Nachrichten wie heise.

Ich sehe hier wirklich ernsthaft ein Einschnitt in die Neutralität des Netzes. Ein Zitat der Tagesschau:

Bei Anschlüssen, bei denen auch die Telefongespräche über das Internet laufen, werde das hierfür verbrauchte Datenvolumen nicht einberechnet. Gleiches gelte für das Fernsehangebot der Telekom und die dabei übermittelten Datenmengen.

Man braucht sich heutzutage wirklich nicht mehr Illegal zu bewegen um an die Grenzen (der Drossel) zu kommen. Bei Angeboten wie Lovefilm, oder Videoload oder aber Dropbox, Spideroak und andere Cloud-Speicher wie die Telekom-Cloud kombiniert mit dicken Bandbreiten fällt der Unterschied zwischen Lokal und entfernt gehaltenen Daten. Es kann nicht sein, dass sich Netzanbieter so bevorzugen indem sie die eigenen Lösungen aus Trafficbeschränkungen rausrechnen.

Zur Telekom und ihrem Umgang mit der Netzneutralität habe ich übrigens schon einmal etwas von mir gegeben.

Update 23. April 2013 heise hat jetzt auch einen Kommentar dazu.

Update 30. September 2013 Ein knappes halbes Jahr nach der Ankündigung der Telekom zieht deren Tochter Congstar mit der Drosselung nach. Es sollen wohl die selben Grenzen gelten, wie bei der Konzernmutter.

Update 12. Dezember 2013 Das ganze ist jetzt vorerst darin geendet, dass die Telekom die Sache genutzt hat, ihre Preise für unbeschränkte Flatrates anzuheben. Es wird laut heise zukünftig Volumentarife geben, die nicht mehr “Flatrate” heißen und weiterhin unbeschränkte echte Flatrates, allerdings gegen mehr Geld.